Rezensionen

Jonny Appleseed von Joshua Whitehead

Jonny Appleseed, geboren und aufgewachsen in einem Reservat der Oji-Cree, hat wahrlich eine Menge Gepäck. NDN-Glitzerfee, queer, ein Two Spirit, wird er auch im Reservat, das er schließlich verlässt, ausgegrenzt. Er zieht nach Winnipeg und wo er als Sexarbeiter arbeitet. Seine Kunden sind in der Regel Weiße, die einen leicht spirituell verschwurbelten Indiandermythos pflegen und an die gestaltwandlerischen Fähigkeiten Jonnys glauben.

Das Leben in Winnipeg ist nicht einfach für ihn. Neben dem Alltagsrassimus und der Homophobie, der er ausgesetzt ist, ist das Geld knapp und auch seine Beziehung zu seiner großen Liebe Tias ist kompliziert. Er meidet das Reservat, doch als ein Anruf kommt, dass sein Stiefvater gestorben ist und er zu dessen Beerdigung kommen soll, macht er sich auf den Weg … allerdings muss er erst das nötige Geld für die Reise verdienen. Zwischen Freiern und Beziehung erinnert er sich an seine Kindheit im Reservat, an seine Großmutter und seine Mutter, die ihn maßgeblich geprägt haben, aber auch an die Armut, den Alkoholismus und die Trost- und Ausweglosigkeit, die ihn schließlich dazu gebracht hat zu gehen.

Jonny Appleseed ist Joshua Whiteheads Debütroman und dazu ein ganz wundervoller. Jonny Appleseed hat mich tief berührt und Joshua Whitehead ist ein Autor, den ich sicher im Auge behalten werde, das Debüt war schon einmal extrem vielversprechend in Hinblick auf zukünftige Werke.

Das Buch wurde übersetzt von Andreas Diesel

Karin Braun, Jahrgang 1957, geboren in Pinneberg. Floh die Kleinstadt schnell. Es folgten kurze Auflüge in verschiedene Berufe, um schließlich beim Schreiben zu landen. Karin Braun lebt in Kiel und arbeitet als Autorin, Literaturbloggerin, Herausgeberin – kurz: sie macht was mit Büchern.

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