Daily Musings

Gestern: anstrengend

Gestern hatte ich einen sehr anstrengenden Tag und habe es nicht mehr geschafft zu schreiben. Als ich aus dem Büro des Naturheilvereins zurückkam, wollte ich nur noch meine Ruhe und bin früh zu Bett.

Erst einmal war ich beim Arzt, wegen meiner Migräne. Meine Vermutung, dass diese in ihrer Heftigkeit zwei Ursachen hat, teilt er. Zum einen hat es damit zu tun, dass ich anscheinend eine neue Arbeitsplatzbrille brauche und zum anderen, ist es der Stress dem ich mich durch die Coronamaßnahmen ausgesetzt fühle. Dabei geht es in erster Linie darum, dass ich aus gutem Grund davon befreit bin eine Maske oder irgendeine Gesichtsbedeckung tragen zu müssen und immer mehr meiner Mitmenschen dies nicht reicht. Tatsächlich war es mehrfach so, dass mich nicht etwa LadenbesitzerInnen oder Personal angesprochen haben, sondern andere KundInnen, auf meine Erklärung, dass ein Attest vorliegt, verlangten dieses zu sehen. Nun habe ich keine Lust, jedem Hans und jeder Fränzin meinen Namen, meine Krankkasse, den Namen meines Arztes und so weiter mitzuteilen. Fragt mich Personal in Geschäften, lege ich natürlich das Attest vor. Ansonsten gehe ich so wenig wie möglich unter Menschen, nutze keine öffentlichen Verkehrsmittel, kurz setze ich auf physical Distancing. Nur einkaufen muss ich nun mal. Damit wir da kein Gedränge verursachen, gehen wir schon nicht mehr gemeinsam.

Allmählich wird es reichlich absurd. Das Verwaltungsgericht Würzburg hat nun beschlossen, dass zukünftig die Diagnose auf dem Attest vermerkt sein muss. Mit ärztlicher Schweigepflicht hat das nichts mehr zu tun. Natürlich gilt es momentan für Bayern und Rheinland-Pfalz.

Ich habe nichts gegen Vorsicht, aber etwas weniger Hysterie würde uns gut tun, schließlich werden wir noch lange mit Restriktionen unterwegs sein.

Karin Braun, Jahrgang 1957, geboren in Pinneberg. Floh die Kleinstadt schnell. Es folgten kurze Auflüge in verschiedene Berufe, um schließlich beim Schreiben zu landen. Karin Braun lebt in Kiel und arbeitet als Autorin, Literaturbloggerin, Herausgeberin – kurz: sie macht was mit Büchern.

5 Kommentare

  • Gudrun

    Ich leide auch, liebe Karin. Und ich bin wahrscheinlich nicht die einzige.
    Meine Kinder sehe ich nicht oft und jetzt eben gar nicht. Meine Älteste darf gar nicht ausreisen aus den USA. Mein Literaturtreff darf nur mit 7 Leuten stattfinden. Ich überlasse anderen den Platz. Ich gehöre zur Hochrisikogruppe und nehme mich zurück. Die Welt dreht sich nicht um mich. Wenn ich mein Immunsystem herunterfahren muss, weil es sonst seinen eigenen Körper bekämpft, ist das ganz allein mein Ding und ich muss mich einrichten. Das gefällt mir nicht, denn ich bin ein Mensch, der viel Gemeinschaft braucht.
    Irgendwer (ich weiß nicht mehr, wer das war, auf alle Fälle nicht Spahn, Merkel, Wiehler) sagte zu Beginn der Pandemie, dass nichts so bleiben wird, wie es ist oder war. Das stimmt. Und es betrifft nicht nur uns hier in Deutschland. Warum schauen wir nicht mal über den Tellerrand hinaus, lesen mal, was passiert, wenn Dauerfrostboden auftaut.
    Ich habe immer von meinen Veranstaltungen gelebt. Nein, auch die kann es jetzt nicht geben. Ich hatte schon die Idee, das draußen auf der Wiese zu machen, aber die Kindergartenkinder z.B. dürfen nicht mit den Öffies fahren. Gut, aber im nächsten Jahr lade ich alle Behinderten, die mit mir hier wohnen auf die Rampe vor den Häusern ein. Dann gibt es halt eine Veranstaltung mit Abstand und nur für uns. Oh, ich kann laut reden, wenn es sein muss. Das habe ich als Lehrer gelernt. Ich bin also gerade dabei, nicht zu suchen, was alles nicht geht, sondern, was geht.
    Einkaufen geht meistens der Herr E. Mir ist aufgefallen, dass es in den Öffies und auch in den Läden Menschen gibt, die ohne Maske da durch marschieren mit einem Gang, der vermuten lassen könnte, dass sie Bullenklöten in der Hose haben. Entschuldige den Ausdruck, aber so kann man sich das vielleicht besser vorstellen. Sie reagieren patzig bis aggressiv, wenn sie angesprochen werden, auch vom Personal. Herr E. ist neulich bedroht worden.
    Es gibt sicher Menschen, bei denen das Tragen eines Gesichtsschutzes nicht angebracht ist. Mein behandelnder Arzt stellt keine Atteste aus. Er schickt diese Menschen zum Amtsarzt. Eine Bescheinigung von dort, einer Amtsperson, zweifelt keiner an. Da steht auch keine Diagnose drauf oder die Krankenkasse.
    Eine solche Situation wie jetzt gab es in den letzten Jahrhunderten kaum, in Ansätzen aber schon. Wir hätten schon viel früher Konzepte überlegen sollen, denn angedeutet hat es sich schon lange. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns zu überlegen, wie wir am Besten durchkommen, ohne uns und andere zu gefährden. Ich zum Beispiel habe kein Auto oder sonstiges Gefährt. Da ich keine Lust habe auf die Öffies und weite Strecken nicht laufen kann, ist meine Welt kleiner geworden. Ich versuche gerade das zu entdecken und zu genießen, was es zu entdecken gibt. Mit meiner Familie halte ich Kontakt über alle möglichen Kommunikationsmittel. Ich kenne meiner Tochter ihren Garten in LA, sehe, wie ihre Tomaten wachsen und erkläre, wie man die Pflanzen ausgeizt. Ich habe ihre Schwiegermutter kennengelernt, die nur Spanisch spricht. MAn hat ja auch noch Hände und Füße zum Reden. Morgen bearbeite ich ein Foto für die Arbeitsstelle meiner Tochter. Und an der Stelle ist meine Welt wieder größer geworden.

    Liebe Karin, das war jetzt viel Text, ich weiß. Für dich wünsche ich mir sehr, dass du einen Weg findest, so gut wie möglich mit dieser Krise umzugehen. Eigentlich wünsche ich mir das für uns alle.

    Ich drücke dich aus der Ferne. (und vielleicht irgendwann mal richtig)

    • Karin Braun

      Tja Gudrun, schön ist das alles gerade wahrlich nicht und vieles nimmt mich sehr mit. Mehr als ich noch vor kurzem wahrhaben wollte. Meine Gören haben alle im November Geburtstag und ich werde zu keinem einzigen fahren können. Mein Arzt ist zugelassener Kassenarzt, der meine Krankengeschichte kennt und weiß, wie meine Versuche eine Maske zu tragen geendet sind und ein ärztliches Attest hat Gültigkeit, da gibt es keinerlei Veranlassung zu einer Behörde zu gehen. Ich verlange einzig und alleine, dass sich an die vorgegebenen Regeln gehalten wird, so wie ich es auch tue. Und wenn irgendein Wichtigtuer meint, dass er meine Aussagen „kontrollieren“ darf, dann regt es mich entsetzlich auf.

  • annette

    Das ist ja wohl nicht wahr… Restaurantbetreiber dürfen nicht mal den Personalausweis kontrollieren, ob die Kontaktdaten stimmen, aber die volle Diagnose etc.pp. sollen sie sichten dürfen? Abgesehen davon: Die Ladeninhaber sind für die Einhaltung der Maskenpflicht verantwortlich – Privatpersonen dürfen freundlich ums Masketragen bitten und sollen sich sonst beim Ladenpersonal beschweren – und diese können dann bestätigen,dass ein Attest vorliegt. Hänsel und Franzi geht es nichts an, warum jemand keine Maske tragen kann! Mir selber geht die Maske zwar auch aufn Keks, ich kann sie aber tragen, wenn nötig (also relativ kurz im Laden und zurzeit leider länger im Bus, weil der grade die drei- bis vierfache Zeit braucht). Nach einer halben Stunde krieg ich auch leichte Kopfschmerzen, Sauerstoffmangel, CO2-Überschuss, eingeschränktes Gesichtsfeld nach unten oder alles zusammen – gibt sich glücklicherweise recht schnell wieder. Längere Zugfahrten sind grade nicht angedacht, weil die meisten Familienteile, die ich besuchen möchte, in bereits dunkelroten Regionen wohnen… aber richtigen Bammel hab ich nur vor einer allgemeinen Ausgangssperre!
    Pass auf Dich auf!
    Und liebe Grüße!

    • Karin Braun

      Leider ist es war. Ich habe auch gedacht, dass ich mich verhöre. Alles nicht sehr fein gerade und die Blockwartmentalitäten wachsen aus dem Boden. Doch irgendwie müssen wir da ja durch. Pass du auch auf dich auf. Alles Liebe Karin

      • Gudrun

        Blockwartgehabe sehe ich bei beiden Seiten manchmal. Es wäre gut, wenn man miteinander redet, abwägt, nach Konzepten sucht. Unangenehm ist alles im Moment, aber mit Hysterie ist keinem geholfen.
        Mir gefällt es auch nicht, mit Maske durch die Gegend zu schleichen. Das einzig Gute ist, dass man auch mal ordentlich die Mundwinkel hängen lassen kann.
        Mädels, kommt gut durch die Zeit.

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