Daily Musings

Die unantastbaren Konsumheiligen

Nach Weihnachten soll es nun wieder einen harten Lockdown geben. Stellt sich mir natürlich die Frage: Wieso nach Weihnachten? Ist das Virus vorher doch nicht so aktiv? Macht es während der Feiertage Urlaub? Wenn es denn alles so gefährlich ist, dann muss jetzt der Laden zu. Sofort und auf der Stelle. Dann ist Weihnachten eben mal anders, mit weniger Geschenken, weniger Besuch und weniger Urlaub. Wir haben ohnehin alle viel zu viel Krempel und jedes Jahr wird gestöhnt, dass die Tage vor dem Fest so hektisch sind. Also wäre doch eine staatlich verordnete Pause gut.

Aber die heiligen Konsumtage sind natürlich unantastbar. Das Umtauschen der unerwünschten Geschenke kann ja auch bis ins neue Jahr warten. August oder so …

Süßer die Kassen nie klingeln, wie zu der Weihnachtszeit …

Karin Braun, Jahrgang 1957, geboren in Pinneberg. Floh die Kleinstadt schnell. Es folgten kurze Auflüge in verschiedene Berufe, um schließlich beim Schreiben zu landen. Karin Braun lebt in Kiel und arbeitet als Autorin, Literaturbloggerin, Herausgeberin – kurz: sie macht was mit Büchern.

8 Kommentare

  • Gudrun

    Nein, in Sachsen ist ab Montag harter Lockdown. „Wir haben das Virus unterschätzt.“, hat unser MP gesagt. Oh nein, nicht wir. Er.
    Die meisten haben hier nicht nur an sich gedacht, sondern auch an ihre Mitmenschen. Ich merke das ganz deutlich, denn in allen Erdgeschosswohnungen leben Behinderte. Sehr fürsorglich gehen die Hausbewohner mit ihnen um. Es gefällt keinem, aber mit Wegreden geht es nicht.
    Leipzig wurde schon mal als Gallisches Dorf bezeichnet, wei wir so geringe Erkrankungsraten im Hotspot Sachsen hatten. Das ist vorbei. Wir haben viele Pendler aus Gegenden, in denen man meinte, dass alles eine Lüge ist. Und dann feierten einige tausend Knalltüten in meiner Innenstadt als wären sie auf dem Ballermann. Schon vor dem allen hatten wir in der Familie beschlossen, uns nicht zu besuchen in diesem Jahr. Nun dauert es eben alles noch länger.
    Ich habe kein Verständnis mehr für ewiges Genörgel und endlose Diskussionen. Ich finde ein Nachdenken, wie wir alle (!) über diese Situation kommt viel besser, auch wenn da durchaus nicht alles richtig sein muss. So eine Situation hatten wir noch nie. In der Familie sind wir am Organisieren und ich überlege gerade, was ich anderen mal Gutes tun kann. Mit meinen Hausleuten fange ich an, denn da sind viele alleine. Einkaufen muss ich da nicht. Trotz angekündigtem harten Lockdown hält sich der Ansturm auf die Geschäfte hier in Grenzen. Vielleicht gibt es doch so etwas wie ein Besinnen.
    Weißt du, liebe Karin, ich möchte nicht in der Haut derer stecken, die jetzt irgendetwas zu entscheiden haben. Wie und was sie auch tun, es wird nie uneingeschränkt “ richtig“ sein.
    Grüße aus dem heute arg grauen Leipzig.

    • Karin Braun

      Liebe Gudrun, ich würde mich noch mehr über ein Nachdenken darüber freuen, wie man solche Virusentwicklungen vermeidet. Das bedeutet allerdings Ausstieg aus der Massentierhaltung, Einschränkung des Flug- und des Autoverkehrs, kurz Energiesparen wo es nur geht und das im Großen, nicht nur im privaten. Doch das wird nicht einmal angedacht. Wir leben weiter über unsere Verhältnisse, verbrauchen zu viel und zu unbedacht, statt endlich einmal die Bremse, auch die Konsumbremse zu ziehen. Sich irgendwie in diese Situation einrichten kann nicht die Lösung sein und auf einen Impfstoff hoffen auch nicht. Wenn es so weitergeht, werden wir immer einen Impfstoff hinterher hinken. Ich möchte auch nicht entscheiden müssen, aber die die sich auf diese Positionen haben wählen lassen, müssen es nun mal, sind ja nicht nur für Schönwetter gewählt. Ich hoffe dass es dir und den Deinen gut geht. Wir haben es ruhig und so weit kommen wir klar, was nicht bedeutet, dass ich die Situation so wie sie ist gut finde. Alles Liebe

  • Gudrun

    Jetzt ist aber das Einrichten nötig. Das Virus ist inzwischen in der Familie meiner Tochter angekommen. Wir haben alle in der Familie daran gearbeitet uns und auch alle anderen um uns herum zu schützen. Wenn das aber nicht alle tun, erwischt es uns eben auch.
    Es ist auch nicht so, dass gar kein Nachdenken mehr stattfindet, wie solche Erscheinungen vermieden werden können. Ich kenne viele, die sich im Naturschutz engagieren, Bauern, die verantwortungsbewusst wirtschaften, Wissenschaftler, auch Ökonomen, die an Konzepten arbeiten. Veränderungen dauern immer, aber es wird sie geben.

    • Karin Braun

      Erst einmal, es tut mir leid, dass nun auch deine Familie betroffen ist.
      Natürlich gibt es viele Menschen die sich im Naturschutz engagieren, die umsichtig sind und nachhaltig leben. Viele davon unterstütze ich und tue auch selber was mir möglich ist, um ein nachhaltiges Leben zu führen. Was mir fehlt ist ein gezielter Aktionismus seitens der Politik und der hätte schon lange erfolgen müssen, statt immer nur ein Pflaster auf kleinere Stellen zu kleben. Es ist nun mal so, dass wir in der westlichen Welt nicht so weiterleben können, wie wir es zur Zeit tun und vieles wird sich nicht über Vernunft regeln lassen. Da hilft doch kein abwiegeln mehr. Seit 30 Jahren wird intensiv von Klimaschützern gewarnt und von der Politik wird es ignoriert. Ja, es wird Veränderungen geben, nur in welcher Richtung? Wenn wir so, mit leichten kosmetischen Eingriffen weitermachen, fürchte ich, werden es nicht die sein, die du und ich uns wünschen. Alles Liebe

  • herr_momo

    Im Prinzip sollte die Politik sich mehr bewegen, da gebe ich Dir Recht.

    Aber es wird trotem nicht dazu kommen, dass alle Welt nur noch mit lokal erzeugten Produkten auskommen kann. Dazu sind Globalisierung und internationale Vernetzung einfach zu weit fortgeschritten – und darauf zu verzichten würde quasi einen Rückfall in die Steinzeit und MAngelwirtschaft bedeuten.
    Schon, weil wir selbst bei bescheidenster Lebensführung nicht alles Nötige in unserem Land herstellen können (weil z.B. essentielle Rohstoffe nicht zur Verfügung stehen, wie Baumwolle zur Kleidungserzeugung, wenn man nicht noch mehr Tiere halten will )

    Auch zu bedenken ist dabei, dass ein Verzicht auf internationalen Handel ja in zwei Richtungen wirkt.
    In den Ländern, wo wir einkaufen ( auch Agraprodukte, die hier nicht wachsen – nicht nur Lebensmittel, sondern auch beispielsweise Baumwolle für Kleidung, ) würde das für viele Menschen schon deshalb eine Kastastrophe bedeuten, weil dringend benötigte Einnahmen fehlen – was dort noch vermehrt zum Exodos der Hungernden führen würde, die kein Einkommen mehr haben….

    Insofern kann die einzige Änderungsvariante nicht im Zürückdrehen, sondern nur im Weiterentwickeln der Globalisierung betstehen – und das nicht unter Gewinnoptimierugsabsichten, sondern mit dem Ziel, ein System zu schafen, das fair für alle ist und jedem Menschen sein Auskommen sichern kann.

    Wozu auch gehört, das in allen wohlhabenderen Ländern weiter konsumiert werden muss, um Geld ins Sytem zu pumpen, damit langfristig ein fairer Handel möglich wird.

    • Karin Braun

      Einen Verzicht auf den internationalen Handel habe ich auch nicht gemeint. Doch verändern muss/sollte dieser sich. Baumwolle ist meiner Meinung nach der am leichtenst zu ersetzende Rohstoff. Hanf wäre viel besser, laugt die Böden nicht so aus, ist vielseitiger zu verwenden, kommt ohne Pestizide klar und ist in Kleidung, Medizin, als Baustoff und Nahrun einsetzbar. Meine Ideen in Sachen Umwelt beziehen sich noch viel mehr auf autofreie Städte, Inlangsflugverbot und Ausstieg aus der Massentierhaltung, damit wäre eine Menge gewonnen. Global gesehen, sollte mehr auf Fairhandeln, als auf Billigramsch gesetzt werden. Eine Besinnung von Billig auf preiswert. Vor allem wäre es an der Zeit Klimaziele verbindlich einzuhalten und nicht sofort nach dem nächsten Klimagipfel Schlupflöcher und Hintertürchen zu suchen. In diesem Zusammenhang lohnt es sich Maja Göpel „Die Welt neu denken“ zu lesen. Ich glaube nun mal nicht, dass die Rettung der Menschheit darin besteht, dass wir immer mehr technische Lösungen finden, dass wir uns mehr und mehr von der Natur, nichts anderes sind wir, ein Element eines großen Organsimus, abkoppeln, sondern uns darauf zurückbesinnen, dass wir ein Teil des Ganzen sind und auch so handeln.

  • herr_momo

    “ Ich glaube nun mal nicht, dass die Rettung der Menschheit darin besteht, dass wir immer mehr technische Lösungen finden, dass wir uns mehr und mehr von der Natur, nichts anderes sind wir, ein Element eines großen Organsimus, abkoppeln, sondern uns darauf zurückbesinnen, dass wir ein Teil des Ganzen sind und auch so handeln.“

    Ohne aufändige technische Lösungen wird das nicht gehen.
    Weder bei der Energiegewinnung, noch bei der Lebensmittelproduktion – wenn beides bezahlbar und nachhaltig sein soll…..

    Und ohne Energie-Einsatz und technische Lösungen wierden sich auch Kommunikation und Logistik nicht Aufrecht erhalten lassen, beides nötig, um nicht nur Nachhaltig, sondern auch effizient alle Menschen versorgen zu können.

    Noch was zu Deiner Idee mit dem Flachs:
    Hast Du mal nachgerechnet, wie viel mehr Anbaufläche, wieviel Wasserund wieviel Energie dafür nötig wäre, um die gleich Mensge an Fasern zu erzeugen, die heute in Form von Baumwolle und Kunstfasern importiert werden?
    Da bleibt für Lebensmittelproduktion kaum noch was übrig.

    Zudem würde damit (wie oben schon geschrieben) den baumwollproduzierenden Ländern ein grosser Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlage entzogen…..

  • Karin Braun

    Was den Hanf betrifft, wird gerade vieler Orts das Gegenteil bewiesen, es ist ein so nachhaltiger Rohstoff, der nahezu überall wächst und die Verarbeitung ist nicht so aufwendig wie du denkst. Freunde von mir haben eine kleine Manufaktur und sind wiederum mit Anbauern und Verarbeitern im Großen verbandelt. Da geht einiges. Natürlich braucht es ganz andere Konzepte, gerade für die Länder die wir zur Zeit als Müllhalde benutzen, in denen wir landwirtschaftliche Strukturen zerstören. Technik lehne ich ja nicht ab, nur die Richtung wie sie zum Beispiel Robert Solow verfolgt, der grob gesagt meint: Scheiß auf den Klimawandel und die Natur, wir können alles technisch ersetzen. So wird es nicht laufen.

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