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    Esel im Klee von Eimar O’Duffy

    Cuandine, der Held, der uns schon in König Goshawk und die Vögel begegnete ist immer noch unterwegs, seine Aufgabe zu erfüllen. Wir erinnern uns: Der Weizenkönig Goshawk hatte seiner Liebsten Guzzelinda versprochen ihr alle Vögel der Welt zu schenken. Mit geschickter Propaganda wird jede Gegenwehr erstickt und es ist angezeigt einen Held teils göttlicher Herkunft zu schaffen, um diese Aufgabe anzugehen.

    Nun aber zur Fortsetzung und zu unserem Helden Cuandine, der gemeinsam mit dem Reporter Robinson und dem arbeitslosen Mac uí Rudaí auf dem Weg zurück nach Irland ist. Von dort soll die Befreiungsaktion starten. Unterwegs treffen sie auf allerlei Menschen, die ihnen die Welt erklären und Cuandine zu dem Schluss kommen lässt, dass es jede Art von Verrückten braucht, um die Welt zu ruinieren.

    Sowohl König Gohawk und Vögel als auch Esel im Klee entstanden 1926 und sind von einer frappierenden Aktualität. Eimar O’Duffy wird als der Missing Link zwischen Jonathan Swift und Fall O’Brien gesehen, auf jeden Fall hat er mit beiden Büchern eine poetische, lustige, wundervolle, zeitlose Kapitalismuskritik geschaffen, die einfach das Herz erfreut.

    Eine Anmerkungen zu den Anmerkungen. Im Text stolpern wir über viele Namen aus der irischen und englischen Mythologie, sowie über Spitznamen, die im englischen Sinn machen, aber eben nur wenn man der englischen Sprache mächtig ist. Gabriele Haefs, hat diese im Anhang gesammelt, mit entsprechenden Erklärungen versehen und auch Hinweise zur korrekten Aussprache beigeliefert. Danke dafür.

  • Bücher,  Rezensionen

    Das schöne Leben der Toten von Milena Moser und Victor-Mario Zaballa

    Jeder Mensch, egal welcher kulturellen Prägung, stellt sich irgendwann einmal die Frage: Was geschieht eigentlich nach dem Tod? … und beantwortet sie sich entweder mit: „Keine Ahnung!“ oder nach religiöser, kultureller Prägung. Meistens vermeiden die meisten Menschen es jedoch an den Tod zu denken, wobei dieser doch die einzige Gewissheit im Leben ist. In der mexikanischen Kultur werden die Toten gefeiert, sie werden am Diá de la Muertos eingeladen mit den Lebenden zu feiern. Genau genommen werden sie gelockt, denn die Verbindung zur Welt der Lebenden sind Essen, der Duft von Blumen und Freundschaft.

    Doch es ist nicht nur dieser Tag, es ist diese generell andere, eher freundschaftliche Haltung dem Tod gegenüber, die zu diesem Buch geführt hat. Milena Moser, Schriftstellerin, Schweizerin und seit fünf Jahren in den USA ansessig und Victor-Mario Zaballa, bildener Künstler toltekischer Herkunft , leben zusammen, arbeiten zusammen, sind mittlerweile verheiratet und der Tod ist für sie beide keine abstrakte Möglichkeit in ferner Zukunft, sondern täglich präsent, denn Zaballa hat mehrere lebensbedrohliche Erkrankungen, die ihn weder in seiner Kreativität noch in seiner Lebensfreude behindern. So gestaltet er regelmäßig auf der SomArt in San Francisco einen Altar zum Dia de los Muertos und auch im Hause Moser-Zaballa werden die lieben Verstorbenen an diesem Tag mit Essen, Liebe und Blumen gelockt, einen Abend mit den Lebenden zu verbringen. Die Toten müssen gelockt werden, denn ihnen geht es nach mexikanisch/toltekischer Auffassung sehr gut in einer der vielen Jenseitsmöglichkeiten.

    Es ist ein heiteres Buch, über Freundschaft, Liebe und Tod und alles was das Leben sonst noch ausmacht. Es kein langes Buch, gerade einmal 128 Seiten, illustriert mit Fotos von Victor Zaballas Altären und Zeichnungen, doch es ist auch ein gehaltvolles Buch und ein tröstendes. Ich kann es nur empfehlen.

  • Bücher,  Rezensionen

    Mythos Labskaus – eine kulinarische Kulturgeschichte von Jens Mecklenburg & Gabriele Haefs

    Labskaus! Das Gericht ist eine Legende und es war sicher schon lange überfällig, dass ihm ein eigenes Buch gewidmet wurde. Jens Mecklenburg, Nordische Esskultur, und Gabriele Haefs, haben dies nun getan.

    Wer hätte gedacht, dass dieses so trostlos aussehende und doch so wohlschmeckende Mischmasch so vielseitig und so weit bekannt ist. In Wales als Lobsgaws, in Norwegen auch als Labskaus, doch dort sogar in einer hellen und einer dunklen Variante. Sicher es gibt Unterschiede, die einen schwören auf Schweinefleisch, die anderen auf gepökeltes Rindfleisch, man ist sich nicht einig, ob nun Fisch dazu gehört oder nicht oder ob sich gar eine vegetarische Variante als Labskaus bezeichnen darf. Einig ist man sich allerdings, dass es ein wunderbares, nahrhaftes Essen ist und zwar nicht nur für Seefahrer.

    Ein sehr empfehlenwertes Buch, sehr schon aufgemacht, gut geschrieben und fein illustriert von Till Lenecke.

    Rezepte enthält es auch und erschienen ist es im KJM Buchverlag, ISBN 978-3-96194-113-1, Preis: 20,00 €

  • Bücher,  Rezensionen,  Sagas

    Sagas aus der Vorzeit – Von Wikingern, Berserkern, Untoten und Trollen

    Die in diesem Band vorgestellten Heldensagas stammen aus der Zeit vor der Besiedelung Islands, welche so um 870 herum begann. Sie erzählen von Hrolf Kraki und seinen Kämpen, den Völsungen, deren Geschichte ihren Ursprung in der Liederedda findet ind in der sich weite Elemente der Nibelungensaga finden. Fortsetzung findet die Geschichte der Völsungen in der Saga von Ragnar Lodbrok und alte Bekannte aus den vorherigen Erzählungen finden sich in der Geschichte von Norna-Gest. Meine Rezension bezieht sich auf den 1. Band der Sammlung, die in 3 Bänden erscheinen wird. Band 2 und 3 sind für Oktober 2020 angekündigt.

    Es hat schon frühere Ausgaben dieser Sagas gegeben, aber kaum eine, die so umfangreich, so lesbar und so schön aufgemacht ist. Bereits im Klappentext steht, was beim Lesen sofort ins Auge springt, Tolkien, George R. R. Martin, J. K Rowling und viele andere im Genre Fantasy haben sich aus diesem Schatz bedient, womit sich zeigt, dass diese Geschichten zeitlos sind und daher ist es doppelt fein, dass der Kröner Verlag dieses Projekt umgesetzt hat.

  • Krimi,  Rezensionen

    Kieler Bagaluten von Cornelia Leymann & Henning Schöttke

    https://www.genialokal.de/Produkt/Cornelia-Leymann-Henning-Schoettke/Kieler-Bagaluten_lid_42734981.html?storeID=zapata

    Da gönnt sich Frau Heerten nur mal eben ein paar Eierlikörchen und ein bis zwei Klosterfraumelissengeist, setzt sich ins Auto und erwischt prompt Maunzi, die Katze der Nachbarskinder. Die muss natürlich weg, bevor die lieben Kleinen merken, dass Frau Heerten für ein verfrühtes Ableben der Fellnase gesorgt hat. Natürlich unbeabsichtig, aber doch alkoholisiert. Also soll Maunzi ein würdiges Grab an der Alten Levensauer Hochbrücke finden. Maunzi kommt also unter die Erde, doch beim Buddeln entdeckt Frau Heerten unter anderem ein altes Portemonaie. Der Name auf dem darauf enthaltenen Ausweis kommt ihr bekannt vor. War dieser Martin Szupryczynski nicht einmal ein Lover ihrer Tochter Karin, die nicht mit ihr spricht? Sabine Heerten beginnt nachzuforschen und stösst auf Mord, Einbruch, einen deutlich jüngeren Liebhaber und noch so einige Vorkommnisse, die man in der beschaulichen Suchsdorfer Nachbarschaft so gar nicht vermutet. Bagaluten finden sich halt überall.

    Gleich vorweg, ich habe mich lange nicht so gut bei einem Krimi amüsiert. Anfangs täuschen der ironische Plauderton und das Kieler Lokalkolorit darüber hinweg, dass es sich um einen Krimi handelt und zwar um einen ausgesprochen spannenden.

  • Kurzgeschichten,  Rezensionen

    The Horseman’s Word – Schottische Storys

    http://songdog.ch/buch-detail/the-horsemans-word-schottische-storys.html

    Zum Foto. Das Buch liegt im schottischen Original und in der deutschen Übertzung von Gabriele Haefs & Julian Haefs vor – erschienen ist es im Songdog Verlag Bern/Wien.

    Brian McNeill hat die Geschichten in diesem Buch seiner Heimatstatdt Falkirk und deren Umgebung gewidmet und der Sprache, die dort gesprochen wird. Es ist eine Reise durch die Jahrzehnte, da ist, die nahezu an Thomas Hardy erinnernde Titelgeschichte „The Horseman’s Word“ (Das Wort des Pflügers) die um 1913 herum spielt, gefolgt von „Bitte Auffordern“ (Take your partners) in der der Autor in das Falkirk von 1955 springt und so geht es weiter bis 2016, wo Scraps – The Fighter of many battles, sein letztes Gefecht kämpft. Diese Geschichte ist aus der Sicht des Katers Scraps erzählt, den Leser!nnen von Brian McNeills Büchern bereits aus „In the grass …“ (Schlange am Busen) kennen.

    Das der Autor dieser Geschichten Musiker ist, merkt man an jedem Satz. Jede Geschichte hat ihre eigene Melodie und diese hallt nach. Diesen Sprachrhytmus, ganz zu davon schweigen, den Dialekt ins Deutsche zu übertragen, ist wunderbar gelungen. Julian Haefs, der, wie er schreibt „von seiner ehrwürdigen Tante Gabriele angestiftet wurde“, sich an den Übersetzungen zu beteiligen, hat sich ausgezeichnet bewährt. Für Shaft (1979) hat er genau den richtigen Ton getroffen.

    Fazit: Unbedingt lesen

  • Rezensionen

    Jonny Appleseed von Joshua Whitehead

    Jonny Appleseed, geboren und aufgewachsen in einem Reservat der Oji-Cree, hat wahrlich eine Menge Gepäck. NDN-Glitzerfee, queer, ein Two Spirit, wird er auch im Reservat, das er schließlich verlässt, ausgegrenzt. Er zieht nach Winnipeg und wo er als Sexarbeiter arbeitet. Seine Kunden sind in der Regel Weiße, die einen leicht spirituell verschwurbelten Indiandermythos pflegen und an die gestaltwandlerischen Fähigkeiten Jonnys glauben.

    Das Leben in Winnipeg ist nicht einfach für ihn. Neben dem Alltagsrassimus und der Homophobie, der er ausgesetzt ist, ist das Geld knapp und auch seine Beziehung zu seiner großen Liebe Tias ist kompliziert. Er meidet das Reservat, doch als ein Anruf kommt, dass sein Stiefvater gestorben ist und er zu dessen Beerdigung kommen soll, macht er sich auf den Weg … allerdings muss er erst das nötige Geld für die Reise verdienen. Zwischen Freiern und Beziehung erinnert er sich an seine Kindheit im Reservat, an seine Großmutter und seine Mutter, die ihn maßgeblich geprägt haben, aber auch an die Armut, den Alkoholismus und die Trost- und Ausweglosigkeit, die ihn schließlich dazu gebracht hat zu gehen.

    Jonny Appleseed ist Joshua Whiteheads Debütroman und dazu ein ganz wundervoller. Jonny Appleseed hat mich tief berührt und Joshua Whitehead ist ein Autor, den ich sicher im Auge behalten werde, das Debüt war schon einmal extrem vielversprechend in Hinblick auf zukünftige Werke.

    Das Buch wurde übersetzt von Andreas Diesel