• Bücher,  Rezensionen,  Sagas

    Sagas aus der Vorzeit – Von Wikingern, Berserkern, Untoten und Trollen

    Die in diesem Band vorgestellten Heldensagas stammen aus der Zeit vor der Besiedelung Islands, welche so um 870 herum begann. Sie erzählen von Hrolf Kraki und seinen Kämpen, den Völsungen, deren Geschichte ihren Ursprung in der Liederedda findet ind in der sich weite Elemente der Nibelungensaga finden. Fortsetzung findet die Geschichte der Völsungen in der Saga von Ragnar Lodbrok und alte Bekannte aus den vorherigen Erzählungen finden sich in der Geschichte von Norna-Gest. Meine Rezension bezieht sich auf den 1. Band der Sammlung, die in 3 Bänden erscheinen wird. Band 2 und 3 sind für Oktober 2020 angekündigt.

    Es hat schon frühere Ausgaben dieser Sagas gegeben, aber kaum eine, die so umfangreich, so lesbar und so schön aufgemacht ist. Bereits im Klappentext steht, was beim Lesen sofort ins Auge springt, Tolkien, George R. R. Martin, J. K Rowling und viele andere im Genre Fantasy haben sich aus diesem Schatz bedient, womit sich zeigt, dass diese Geschichten zeitlos sind und daher ist es doppelt fein, dass der Kröner Verlag dieses Projekt umgesetzt hat.

  • Krimi,  Rezensionen

    Kieler Bagaluten von Cornelia Leymann & Henning Schöttke

    https://www.genialokal.de/Produkt/Cornelia-Leymann-Henning-Schoettke/Kieler-Bagaluten_lid_42734981.html?storeID=zapata

    Da gönnt sich Frau Heerten nur mal eben ein paar Eierlikörchen und ein bis zwei Klosterfraumelissengeist, setzt sich ins Auto und erwischt prompt Maunzi, die Katze der Nachbarskinder. Die muss natürlich weg, bevor die lieben Kleinen merken, dass Frau Heerten für ein verfrühtes Ableben der Fellnase gesorgt hat. Natürlich unbeabsichtig, aber doch alkoholisiert. Also soll Maunzi ein würdiges Grab an der Alten Levensauer Hochbrücke finden. Maunzi kommt also unter die Erde, doch beim Buddeln entdeckt Frau Heerten unter anderem ein altes Portemonaie. Der Name auf dem darauf enthaltenen Ausweis kommt ihr bekannt vor. War dieser Martin Szupryczynski nicht einmal ein Lover ihrer Tochter Karin, die nicht mit ihr spricht? Sabine Heerten beginnt nachzuforschen und stösst auf Mord, Einbruch, einen deutlich jüngeren Liebhaber und noch so einige Vorkommnisse, die man in der beschaulichen Suchsdorfer Nachbarschaft so gar nicht vermutet. Bagaluten finden sich halt überall.

    Gleich vorweg, ich habe mich lange nicht so gut bei einem Krimi amüsiert. Anfangs täuschen der ironische Plauderton und das Kieler Lokalkolorit darüber hinweg, dass es sich um einen Krimi handelt und zwar um einen ausgesprochen spannenden.

  • Kurzgeschichten,  Rezensionen

    The Horseman’s Word – Schottische Storys

    http://songdog.ch/buch-detail/the-horsemans-word-schottische-storys.html

    Zum Foto. Das Buch liegt im schottischen Original und in der deutschen Übertzung von Gabriele Haefs & Julian Haefs vor – erschienen ist es im Songdog Verlag Bern/Wien.

    Brian McNeill hat die Geschichten in diesem Buch seiner Heimatstatdt Falkirk und deren Umgebung gewidmet und der Sprache, die dort gesprochen wird. Es ist eine Reise durch die Jahrzehnte, da ist, die nahezu an Thomas Hardy erinnernde Titelgeschichte „The Horseman’s Word“ (Das Wort des Pflügers) die um 1913 herum spielt, gefolgt von „Bitte Auffordern“ (Take your partners) in der der Autor in das Falkirk von 1955 springt und so geht es weiter bis 2016, wo Scraps – The Fighter of many battles, sein letztes Gefecht kämpft. Diese Geschichte ist aus der Sicht des Katers Scraps erzählt, den Leser!nnen von Brian McNeills Büchern bereits aus „In the grass …“ (Schlange am Busen) kennen.

    Das der Autor dieser Geschichten Musiker ist, merkt man an jedem Satz. Jede Geschichte hat ihre eigene Melodie und diese hallt nach. Diesen Sprachrhytmus, ganz zu davon schweigen, den Dialekt ins Deutsche zu übertragen, ist wunderbar gelungen. Julian Haefs, der, wie er schreibt „von seiner ehrwürdigen Tante Gabriele angestiftet wurde“, sich an den Übersetzungen zu beteiligen, hat sich ausgezeichnet bewährt. Für Shaft (1979) hat er genau den richtigen Ton getroffen.

    Fazit: Unbedingt lesen

  • Rezensionen

    Jonny Appleseed von Joshua Whitehead

    Jonny Appleseed, geboren und aufgewachsen in einem Reservat der Oji-Cree, hat wahrlich eine Menge Gepäck. NDN-Glitzerfee, queer, ein Two Spirit, wird er auch im Reservat, das er schließlich verlässt, ausgegrenzt. Er zieht nach Winnipeg und wo er als Sexarbeiter arbeitet. Seine Kunden sind in der Regel Weiße, die einen leicht spirituell verschwurbelten Indiandermythos pflegen und an die gestaltwandlerischen Fähigkeiten Jonnys glauben.

    Das Leben in Winnipeg ist nicht einfach für ihn. Neben dem Alltagsrassimus und der Homophobie, der er ausgesetzt ist, ist das Geld knapp und auch seine Beziehung zu seiner großen Liebe Tias ist kompliziert. Er meidet das Reservat, doch als ein Anruf kommt, dass sein Stiefvater gestorben ist und er zu dessen Beerdigung kommen soll, macht er sich auf den Weg … allerdings muss er erst das nötige Geld für die Reise verdienen. Zwischen Freiern und Beziehung erinnert er sich an seine Kindheit im Reservat, an seine Großmutter und seine Mutter, die ihn maßgeblich geprägt haben, aber auch an die Armut, den Alkoholismus und die Trost- und Ausweglosigkeit, die ihn schließlich dazu gebracht hat zu gehen.

    Jonny Appleseed ist Joshua Whiteheads Debütroman und dazu ein ganz wundervoller. Jonny Appleseed hat mich tief berührt und Joshua Whitehead ist ein Autor, den ich sicher im Auge behalten werde, das Debüt war schon einmal extrem vielversprechend in Hinblick auf zukünftige Werke.

    Das Buch wurde übersetzt von Andreas Diesel